Carmen Meinert, Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Zwischen inner-weltlicher Macht und über-weltlichem Heil
Chinesische Begegnungen mit dem tibetischen Buddhismus

Parallel zu dem gegenwärtigen, umfassenden Modernisierungsprozess der chinesischen Gesellschaft werden religiöse Glaubenssysteme und Praktiken jeglicher Art – westliche, asiatische und einheimische – wieder entdeckt. Mit Hinblick auf die Wiederbelebung des Buddhismus in China, der selbst eine Geschichte von mehr als 1500 Jahren in China besitzt, ist die Entwicklung des tibetischen, tantrischen Buddhismus unter Han-Chinesen seit den 1990ern von besonderer Bedeutung. Die Untersuchung dieser Prozesse erlaubt nicht nur einen Blick auf die chinesische Rezeption einer anderen asiatischen Tradition, sondern ermöglicht auch eine Fallstudie zum Rezeptionsprozess einer religiösen Tradition, die sowohl Praktiken entwickelt hat, um inner-weltliche Macht als auch über-weltliches Heil zu erlangen. Einige Beispiele dieser sino-tibetischen Begegnung durch die Geschichte hindurch zeigen die Möglichkeiten und Grenzen auf, die Chinesen in ihrer Auseinandersetzung mit der transzendenten Dimension des tantrischen Buddhismus erleb(t)en. Schließlich offenbart die Untersuchung unerwartete Einsichten in die chinesische Wahrnehmung von Selbst und Anderen.

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