Ryosuke Ohashi, Ryukoku University Kyoto

Zen und Philosophie in der Kyoto-Schule

Das Thema „Zen und Philosophie“ bedeutet auf keinen Fall, dass hier zwei Bereiche miteinander verbunden werden sollen, um eine Hybride zu zeugen. Eine solche Hybride wird sowohl von der Seite des Zen wie auch von der Seite der Philosophie als Fälschung und nicht als ihre lebenskräftige Entwicklung angesehen werden. Seit seinen Anfängen verwirft es Zen ausdrücklich, die spekulativen Reflexionen als Mittel in die Übung einzubringen, und umgekehrt gilt das Denken für Philosophie niemals als eine ihr vorausgesetzte Erfahrung, von der aus sie ausgeht. Das Denken war und ist immer ihr Grundelement gewesen. Zen und Philosophie sollen durchaus voneinander unabhängig sein.

Dies schließt aber nicht aus, dass ein Mensch sich sowohl mit der Philosophie als auch mit dem Zen beschäftigt, und in ihm die ursprünglich voneinander getrennten Gebiete sich überschneiden, zusammenstoßen und in den „Funken“ begegnen. Gibt es aber tatsächlich ein solches Verhältnis von Diskontinuität und Kontinuität, von Zen und Philosophie in einem Menschen? Einige Denker der Kyoto-Schule geben die Antwort auf diese Frage. Diese im modernen Japan durch die Begegnung mit der europäischen Welt entstandene philosophische Schule könnte auch im Hinblick auf die philosophische Begegnung der deutschen und der chinesischen Denktradition als ein kulturphilosophisches Merkzeichen ins Auge gefasst werden.

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